Montag, Dezember 21, 2009

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So, nun wären wir also wieder am Ende dieses Jahres angelangt und kommen zu den festlicheren Tagen des Jahres. Wie ihr sehen könnt, war ich nicht unfleißig und dennoch ist vieles liegen geblieben. Der Winter hat uns hier im Norden noch fest im Griff. Einen Miniaturbesuch auf dem Historischen Weihnachtsmarkt in Lübeck habe ich aber dennoch geschafft. Das Konzert mit mittelalterlicher Musik hat etwas festliche Stimmung in die ansonsten sehr nüchternen Stunden des Alltages gebracht. Opa bekommt davon zurzeit noch nicht so richtig was auf die Reihe. Er schaut nur und kann die ganzen Aktivitäten nicht so recht verstehen.

Euch allerdings wünsche ich nun ein super tolles Weihnachtsfest und falls ich nicht mehr ins Netz kommen sollte auch schon einmal vorsorglich einen guten Rutsch ins Jahr 2010.

Einen ganz lieben Dank an alle treuen Leserinnen und Leser. Man liest sich.


Frohe Weihnachten
Eure esmee seifenfee

Mittwoch, Dezember 02, 2009

146 Vollmond

Luna hat voll zugeschlagen. In der vergangenen Nacht hatten wir gut unsere minus 6°C. Nach so langen Tagen der Restwärme, kommt einem der Frost irgendwie überhaupt nicht gelegen. Draußen war es, da wir fast keine Wolken hatten, taghell und a….kalt. Für Opa nur schwer zu begreifen. Nach seiner Uhr war es Zeit zum Aufstehen, was er auch getan hat. Fast eine Stunde war in seinem Zimmer ein geräuschvolles hantieren zu hören. Danach ging im Treppenhaus das Licht an und wieder aus und wieder an.

Bis mir, um halb eins in der Frühe, fast der Kragen geplatzt wäre.

„Vater, was um Himmelswillen machst Du hier?“

„Ich finde das Licht da sollte aus sein, es ist doch schon ganz hell draußen.“

„Vater, es ist der Mond. Wir haben Vollmond da draußen und deshalb ist es so hell. Aber, wir haben es erst eine halbe Stunde nach Mitternacht und deshalb solltest Du wieder zu Bett gehen.“

„Was? Mitternacht? Aber nach meiner Uhr ist es schon 12:00 Uhr. Ich dachte es gibt gleich was zu essen.“

„Vater, wenn Du schon Hunger hast, mache ich Dir etwas zu essen, möchtest Du ein Brot essen?“

„Nee, Hunger hab ich nicht. Ich dachte nur es sei eben Zeit.“

„Nein Vater ist es nicht, es ist mitten in der Nacht. Komm, ich bringe Dich wieder ins Bett.“

„Nee, lass man, ich lege mich einfach da auf mein …!???“

Nach Worten suchend will er mir erzählen, dass er auf dem Sofa nächtigen möchte. Was absolut nicht geht.

„Nein Vater, das geht nun wirklich nicht mehr. Es ist zu kalt, um auf dem Sofa zu liegen. Die Jalousien werden runter gelassen, dass das Haus nicht so auskühlt und DU gehst ins Bett. In Nachtzeug wie es sich gehört.“

„Also muss ich ins Bett?“

„Ja Vater, heute ja, da gibt es keine Diskussion.“

Ich bin ihm beim Umkleiden behilflich und dann geht er ins Bett.

„Mal sehen, wie lange ich das aushalten kann. Ich bin überhaupt nicht müde.“

„Wenn es schön warm ist unter der Decke, dann wirst Du schon schlafen können. Gute Nacht!“

Licht aus, Tür zu und …………,drei Stunden Ruhe im Karton, dann hat der Herr ausgeschlafen und steht um halb vier Uhr, in der Frühe, wieder auf. Als wir in die Küche gehen, um das Frühstück zu bereiten, hat Opa schon sein Bett fertiggemacht, ohne Lüften natürlich, sitzt im Sessel und findet es einfach nur richtig saukalt. Sein Zimmer hat eine Temperatur von ganz müffeligen 24°C, aber Opa friert. Würde ich auch, denn die Heizung geht erst in einer Stunde wieder richtig an. Somit nimmt er sein Frühstück heute schon um 6:00 Uhr ein und wundert sich, dass es sooooo lange dauert bis zur nächsten Mahlzeit. Hunger, hat er aber nicht, sagt er.

Mittwoch, November 25, 2009

145 So müde

Opa hat nun eine Phase erreicht, in der er weder die Zeiten richtig einschätzen noch sie richtig deuten kann. Er beschwerte sich heute morgen bei seinem Sohn, dass die Tage so extrem dunkel seien. Das könnte daran liegen, dass er wirklich die Nacht zum Tage macht. Andererseits lässt sein Augenlicht immer mehr nach. Für ihn ist eine Unterscheidung von Tag und Nacht nur noch schwer zu vollziehen, für ihn schaut alles gleich aus. Durch die vielleicht noch 10% Sehkraft ist sein ganzer Tag auf Tasten und Restmerkfähigkeit ausgelegt. Immer öfter stößt er aber dennoch an Möbelstücke an, weil er vergessen hat das sie dort stehen, aber auch, weil er sie schlicht nicht mehr richtig sehen kann. Durch den starken Muskelabbau; Opa bewegt sich nur noch selten wirklich richtig; verursachen solche Aneckungen natürlich auch heftige Schmerzen. Jeder weis aus Erfahrung, wie doll es schmerzt wenn das Schienbein unvermittelt etwas abbekommt. So geht es Opa inzwischen am ganzen Körper, auch wenn er gut genährt, aber dennoch recht schlank ist. Es ist nichts da, was solche Sachen abfangen könnte. Spezialhosen mit Protektoren decken eben auch nicht alles ab. Wir haben es ja schon zweimal erlebt, es hat beim Sturz den Kopf getroffen, da wäre ein Schutzhelm dann doch wohl angebrachter. Eines weis ich aber, beides würde er nicht tragen. Immer öfter schläft Opa am Tage und des nachts dann im Sessel, auf dem Sofa oder aber zirkulierend mal hier mal da. Den normalen Tagesablauf empfindet er als Belästigung. Essen macht er nur noch mit Widerwillen, Tabletten will er nicht mehr nehmen, weil er der Meinung ist sie seien überflüssig. Neulich wollte er mich sogar bewusst täuschen. Er ließ sich die Tabletten aus der Pillendose in die Hand schütten, richtete sie mit dem Finger in der Hand an und tat so als werfe er sie in den Mund. Er hatte sie aber zwischen Daumen und Zeigefinger der anderen Hand. Dumm nur, dass ich es gesehen habe. Diese Eigenmächtigkeit kann ich natürlich nicht durchgehen lassen. Seinen Betablocker und Co. muss er schon nehmen. Da er nicht sofort zum Arzt gehen wollte, es wäre die Alternative zur Nichteinnahme gewesen, nimmt er sie nun unter Aufsicht und Kontrolle ein. Was nicht heißt, dass er sie nicht danach wieder ausspuckt. Gefunden haben wir aber noch keine. Erzwingen kann ich die Einnahme eben auch nicht. Sein Kopf ist fast vollständig verheilt, sodass er nächste Woche dann wohl zum Friseur darf, so er dann noch will. Eigentlich wird es ihm langsam ziemlich gleichgültig, ob er gewaschen und frisiert ist, ob er sauber gekleidet ist, ob er überhaupt noch etwas macht und soll.
DER MUT SINKT BEI IHM TÄGLICH.
Bei uns steigt die Ratlosigkeit; wie motiviert man in solcher Lage richtig und dauerhaft? Ich weis noch keine Antwort.

Mittwoch, November 11, 2009

144 Die 96 ist geschafft

So, leider nur ganz kurz zur Info. Nachdem Opa sich in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder abgepackt hatte; fast an der gleichen Stelle hat er sich wieder eine Platzwunde zugezogen – zum Glück auch der harmlosen Natur. Er hat von Natur einen harten Schädel, dem Himmel sei Dank – damit stand seinem Geburtstag am Sonntag nichts mehr im Wege. Der Dok musste wieder nur kleben und hat dann sein OK gegeben. Der Opa hat seinen 96. Geburtstag somit hinter sich gebracht und eigentlich nur wenig, bis gar nichts, damit zu tun gehabt. Wie werdet Ihr fragen, er ist doch die Hauptperson. Klar war er es, nur es waren ja kaum Leute da und die die anwesend waren, die hat er nur mit Mühe erkannt oder erkennen wollen. Man kann sich da ja nie so sicher sein. Wir stecken ja nicht in seinem Kopf. Am Morgen, zum Frühstück, hat sein Sohn ihm unser Geschenk überreicht. Eine neue riesengroße Armbanduhr, welche auch halb Blinde lesen können. Das Armband ist noch ein bisschen weit, aber das regeln wir schon, wenn Opa die Uhr mal hergibt.

„Die habe ich von B.; jetzt ist es …“ Stolz geschwellte Altherrenbrust; so geht das nun den ganzen Tag.

„Auf der Standuhr ist es soundso, meine zeigt das auch.“

Damit wandert der Arm direkt vor unsere Nase, damit wir seinen Worten auch glauben schenken. Nach den Mahlzeiten, welche wieder uhrgetaktet sind, hat Opa sich genauso zurückgezogen wie sonst auch. Es kümmert ihn nicht, ob Gäste oder nicht, darum kann sich sein Sohn kümmern, der hat die ja auch eingeladen.

Offenbar ein Alter, in dem man sich solche Sachen leisten kann oder aber schon nach dem Motto lebt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungegiert ;)

War trotzdem ein schöner Tag.

Samstag, Oktober 17, 2009

143 Zwischenbericht

„Hallo!“… erst mal an alle treuen Leserinnen und Leser. Eigentlich gibt es nicht viel zu berichten. Opa ist in seiner Welt ein Stückchen mehr gefangen, als es uns lieb ist. Seine Physio ist durch Eigenverschulden ziemlich daneben gegangen. Durch akute Vollinkontinenz ist Opa nicht bereit richtig mitzuarbeiten, was die Angelegenheit natürlich nicht nur erschwert, sondern auch unnötigerweise Kosten verursacht hat. Aber, es ist seine Entscheidung und die müssen wir akzeptieren. Was uns auch zunehmend Schwierigkeiten macht, ist sein Zeitgefühl. Oftmals fragt er schon eine Stunde nach dem Frühstück, ob er nicht doch schon zu Bett gehen könne, es sei doch schon 8:00 Uhr. Opa kann zwischen 8:00 und 20:00 Uhr nicht mehr unterscheiden, genauso wenig wie zwischen 1:00 Uhr und 13:00 Uhr etc. was zur Folge hat, dass er eine Stunde nach Mitternacht sein Mittagessen möchte oder einfach fragt, wann es denn nun endlich was zum Essen gäbe. Wir sind gegen Mitternacht noch nicht einmal im Bett und Opa rappelt die Rollläden und im Anschluss macht er sein Bett. Fast jede Nacht ist er nun hoch und sitzt im Sessel oder spöckert durchs Haus und versteht einfach nicht, dass niemand bereit ist sich ihm anzuschließen. Meistens schicke ich ihn zu Bett, er versteht nämlich auch nicht, dass nachts die Heizung auf Nachtstellung schaltet und es dann extrem kühl wird in seinem Zimmer.
„Gut, dann gehe ich eben wieder schlafen.“
„Aber auch richtig ins Bett; auf dem Sofa ist es zu kühl, auch mit Wolldecke.“
„Das lassen Sie mich man entscheiden, dass ist schon richtig so.“
Spricht es und geht in voller Montur auf sein Sofa. Am Morgen schaut er dann aus, wie aus dem Wäschesack gezogen. Nachts müssen wir nun ständig die Tür abschließen, weil er nicht versteht, dass die Post eben nachts nicht kommt. Die Gefahr, dass er sich selber aussperrt, gerade jetzt bei den starken Winden, ist einfach zu groß. Da wir nur ein Minimum an Schlaf bekommen; ca. 5 Stunden; ist es natürlich nicht auszuschließen, dass wir sein Klingeln überhören würden. Alle Bewohner haben daher strikte Anweisungen, nach dem Heimkommen die Tür abzuschließen, egal wann sie nachhause kommen. Das klappt soweit ganz gut. Opa ist aber mehrfach schon an der verschlossenen Tür gewesen und hat dann versucht mit dem Briefkastenschlüssel die Haustüre zu öffnen. Es ist eine Frage der Zeit, wann der Schlüssel abbrechen und im falschen Schloss steckenbleiben wird. Einen Hausschlüssel hat er nicht, da er oftmals nicht weiß, wo er Sachen deponiert; sie also auf Nimmerwiedersehen abhanden kommen. Sein Ordnungssinn hat inzwischen auch sehr gelitten. Er kann Kleidungsstücke nicht mehr unterscheiden, wenn sie gestapelt im Schrank liegen. Seine Methode ist dadurch die Gleiche, welche er bei seiner Frau so heftig kritisiert hatte. Rausholen, auseinander nehmen und einfach wieder in irgendein Fach stopfen. Täglich muss ich den Schrankinhalt neu aufbauen. Es wird von jetzt auf Gleich vergessen, was ich ihm erkläre. Dazu kommen dann noch solche Sachen, wie verschmutzte Kleidung im Schrank deponieren, weil der Weg zur Waschküche vergessen wurde. Ein Wäschekorb im Zimmer wird als störend empfunden und ständig rausgestellt. Aus den Augen, aus dem Sinn. Die täglich notwendigen Verrichtungen werden gerne vergessen und bedürfen inzwischen einer ständigen Erklärung. Warum muss ich mich waschen? Warum muss ich mich dafür auskleiden? Wieso muss ich mich kämmen? etc. Die Demenz fängt nun an anstrengend zu werden. Oftmals muss er auf seinem Weg vom Bad bis zu seinem Zimmer sämtliche Türen dazwischen öffnen, um zu schauen, ob er schon dort ist, wo er hin möchte. Am Tage kann ich das Haus nun praktisch nur für wenige Minuten; zum Kompost, Katzen füttern, Müll heraustragen etc.; verlassen, weil er in Panik verfällt, wenn er meint alleingelassen zu werden. Mein Garten muss wahrlich sehr leiden. Ich muss mit überlegen, ob ich im Frühjahr einen Gärtner holen werde oder aber die Beete soweit einebne, dass wirklich nur noch wenige Dinge zu machen sind.
So plätschern meine Tage; mit viel Arbeit und doch nur ohne echten Sinn ausgelastet; dahin. Auch der Haushalt leidet, wie ich gestern feststellen musste. Meist dreht sich alles um Opa und seine Belange; er ist der derzeitige Dreh- und Angelpunkt dieses Hauses. Routinearbeiten sind von vielen Unterbrechungen gekennzeichnet. Dazu kommt dann der Umstand, dass es meinen Eltern ebenfalls inzwischen nicht mehr so gut geht. Dort stehen neue Herzklappen an und durch ein Rheumaleiden müssen viele Dinge für sie erledigt werden. Das Dumme sind nur die 300 km zwischen unseren Wohnorten und ein großer Strom, welcher nur zeitaufwendig überquert oder unterschritten werden kann, was gleichbedeutend ist mit gut drei bis dreieinhalb Stunden Fahrtzeit für eine Strecke.

Die Zeit wird zu einem knappen Gut. Aber wem sage ich dass, Ihr lest es ja selbst (könnt es ja nicht lesen, steht ja nur noch selten was drin im Blog)

Donnerstag, September 24, 2009

Wenn stricken Blüten treibt

Dieser Artikel gibt Auskunft:

Artists' work spins town a yarn Parts of Inverness city centre have been covered in red wool as part of a so-called "guerrilla knitting" project.


142 Was ist das?

Opa scheint ein neues Spiel entwickelt zu haben. Er fragt vor jeder Mahlzeit: „ Was ist das?“
Antwortet man einfach „Dein Mittagessen.“ Oder „Dein Abendessen.“ Dann ist Opa damit nicht zufrieden. Dann möchte er genau wissen was es ist. Heute Mittag hatte er Reiseintopf mit Fleischklößchen. Reis und das Gemüse solange gegart, dass nur noch geschluckt werden muss und die Fleischlößchen sind mehr Bäcker als Fleischer, sonst kann er es nicht kauen. Klein gemixt mit dem Pürierstab mag er es aber auch nicht essen. „Dann hab ich ja nur noch Matsch auf dem Teller.“ Das ganze so gut wie nicht gewürzt, weil Opa fast alles zu salzig schmeckt. Dabei benutze ich Selleriesalz oder nur Kräuter, also gar kein Salz. Seine Nieren werden es ihm danken, aber dadurch schmeckt das Essen oft sehr fade. Was er gut schmecken kann, ist süß. Da findet er auch keine Ausreden warum ein Honigbrot, ein Sahnestück, Pudding oder dergleichen nicht herunterrutschen sollte. Die Frage was es sei, ist aber auch rhetorisch, denn es gibt ihm einen zusätzlichen Grund ein Gespräch zu beginnen. Sage ich also: Dein Mittagessen. Fragt er: Was ist es denn genau? Sage ich: Es ist XY und Z, dann kommt garantiert: Aha und welche Mahlzeit soll das sein? Die Ursache liegt natürlich auch am schlechten sehen und am Geschmack. Mehr Würze findet Ablehnung, zuwenig Würze bringt auch Diskussion. Das Wichtigste ist aber doch wohl die kleine Unterhaltung zwischendurch. Denn egal was ich antworte, es wird eh gestöhnt, dass es schon wieder was zu essen gibt. Gerade jetzt, wo doch wieder die Zeit des Regens kommt, bilden einzig die Mahlzeiten und das Wetter einen Grund zur Unterhaltung. Seine Physio hat noch nicht begonnen, weil die Termine für die Hausbesuche sich etwas schwer gestalten. Den Meisten ist der Weg zu weit und der Anderen rennt die Zeit weg, sodass sie sich nicht durchringen kann zum Opa zu kommen. Wir geben aber nicht auf, da wir unbedingt die Beweglichkeit des Opas steigern möchten, denn er steht immer schwieriger auf und klagt auch über Kreuzschmerzen. Keilkissen und Co ist schon im Einsatz, aber was Mechanisches als Aufstehhilfe lehnt er ab. Er kann die Knöpfe nicht unterscheiden und macht alles, nur nicht den Hintern aus dem Sessel bewegen. Die gleichen Probleme hat er auch mit seinem Bett. Er kann sich die Knöpfe für rauf und runter einfach nicht merken, deshalb versucht er es regelmäßig mit Schwung holen und beim vierten oder fünften Anlauf kommt er dann hoch. Alles sehr schwierig wenn die Kräfte nachlassen und die Muskeln zu wenig Training haben. Gerade die Kreuzmuskulatur wird nicht genügend gefordert und das lange Sitzen schadet eben auch, aber was will man machen. Opa möchte auch nicht immer warten müssen, bis man gerade vorbeikommt und ihm aufhelfen kann, so alt sei er dann ja nun doch noch nicht.

Dienstag, September 15, 2009

141 Physiotherapie und Rollatortraining

Nachdem der Opa erneut beim Dok war, haben wir uns doch vehement für die Physiotherapie stark gemacht. Der erste Einwand war, durch sein schlechtes Sehen und auch der Mangel an Gangfähigkeit, sowie die Demenz, sei es wohl nicht so angebracht mit dem Rollator und der Physiotherapie. Wir haben aber darauf bestanden und er hat zunächst sechs Verordnungen mit Hausbesuch bekommen. Jetzt fehlt nur noch ein(e) Physiotherapeut(in); welche auch bereit ist hier im Dorf anzutanzen. Den Rollator haben wir zunächst auf Leihbasis geordert und wenn der da ist, dann kann das richtig losgehen. Bis zu diesem Zeitpunkt muss ich allerdings noch einige Türen rausnehmen oder festsetzen und kleinere Dinge aus dem Wege räumen, welche Probleme bereiten könnten.
Aber das ist Pippifax, viel wichtiger werden die Installationen, welche im Bad notwendig werden, damit der Opa dann auch dort gut zurechtkommen kann.
Die Physio soll ihm die Hüft- und Kniegelenke, sowie die Arme stärken helfen. Außerdem soll er den Umgang mit dem Rollator richtig lernen. Das Unken reicht schon von “wenn er es geschnallt hat, ist das Wetter so schlecht, dass er es nicht mehr nutzen kann“ bis „den wird er aus Stolz ignorieren, bis er es wieder verlernt hat“. Warten wir ab; zunächst wird er sich freuen, dass dort jemand kommt, welcher sich nur um IHN kümmert. Das verspricht ein bisschen Abwechslung im Alltag.

„Die Spitze des Berges ist nur ein Umkehrpunkt.”
Reinhold Messner (*1944), südtirol. Bergsteiger

Montag, September 14, 2009

Schon gelacht?

Der Papst ist in Amerika und fährt mit seinem Chauffeur auf der Autobahn durch einsame Gegenden. "Mein Sohn", sagt er zum Chauffeur, "ich bin der Papst und man lässt mich nichts mehr machen. Einmal in meinem Leben möchte ich noch selbst Auto fahren. Wechseln wir den Platz!"
Gesagt, getan, der Papst fährt - aber leider zu schnell, ein Polizeiauto fährt vor und stoppt ihn.
Der Polizist sieht den ertappten Verkehrssünder, wird blass und ruft seinen Chef an:
"Was soll ich tun?" "Strafen natürlich", lautet die barsche Antwort.
"Aber nein, das geht nicht, es ist eine hohe Persönlichkeit...!"
Der Chef stutzt: "Wer soll es denn sein? Strafen - es wird schon nicht der Gouverneur sein..."
Der Polizist: "Der Gouverneur? Viel höher!"
Darauf wieder der Chef: "Lächerlich, das wäre ja der Präsident der Vereinigten Staaten..."
"Nein", unterbricht ihn der Beamte, "viel höher!"
"Machen Sie keine dummen Witze und sagen Sie mir endlich: Wer ist es?"
Darauf der Polizist: "Ich weiß es auch nicht genau, aber der Papst ist sein Chauffeur!"

Sonntag, September 13, 2009

140 Widerstand

Der Opa ist ja weis Gott nicht dumm. Beim Thema trinken haben wir uns dann doch gelegentlich etwas in den Kladden, wie man so schön sagt. Er möchte einfach nicht so viel trinken, weil er dann doch so oft zum Pinkeln rennen muss. Da aber rennen, kein rennen mehr ist, eher langsam schlurfen, geht es halt doch gelegentlich schief. Ändert aber nichts an meiner Beharrlichkeit. Watt mutt, dat mutt! So versucht der Opa natürlich sich zu drücken, wo er kann. Von schwachen Ausreden wie „Mache ich gleich“ bis „Trinke ich im Laufe des Tages“ ist so gut wie alles vertreten. Aber eben nichts für meine Ohren.

„Vater, der Arzt hat… Du musst.“

So entwickelt der Opa Strategien, wie er dieses "Muss" umgehen kann. Von Schönreden bis heimlich in die Küche gehen zum Entsorgen, ist alles dabei. Zum Glück hat er keine Grünpflanzen im Zimmer, die würden wohl glatt absaufen. Das Fenster hat er noch nicht geöffnet, aber wer weis, wer weis…..alles nur eine Frage der Zeit und des wiedererwachenden Normalzustandes. Wenn ihm das einfallen sollte, dann bin ich der Meinung, hat er sein altes Niveau wieder erreicht. Hört man die heimliche Freude darüber, wenn es klappen sollte. Immerhin muss der Opa die Kältebrücke überwinden, was für ihn dann doch eine doppelte Strategie erfordern würde. Wir werden weiter Buch führen, über die Menge des wirklichen Trinkens und des eigentlichen Solls.

Heute sind wir zu um halb neun verabredet, er will dann ins Bett gehen und ich habe ihm gesagt, dann werden wir das gemeinsam schon hinbekommen, sodass ich es ihm bequem einstellen kann und dann auch darüber wachen, dass er wirklich im Schlafanzug dort hinein steigt. Was er sich dann nachts für Kapriolen leistet; da bin ich dann ja nicht zu gegen; diese erfahre ich dann ja erst morgen früh, wenn Wecken angesagt ist.

Samstag, September 12, 2009

139 Kurventechnik

Opa scheint es doch nochmals zu packen. Wie schon vermutet, hat er in gewohnter Umgebung recht schnell in seinen kleinen Tagesrhythmus zurückgefunden. Insgesamt schläft er am Tage sehr viel, ist aber, wenn man vom Zeitunverständnis mal absieht, ganz gut beieinander. Sein Kopf heilt sehr gut und die Verklebung lässt auch keine Narbe aufkommen. Beim Kämmen muss man natürlich noch sehr vorsichtig sein. Was Opa gar nicht mehr mag, ist im Bett liegen. Er schläft schon die zweite Nacht auf dem Sofa. Heute habe ich ihn gewähren lassen und den Ofen eine Stunde geheizt, so kühlen die Räume nachts nicht so aus. Ideal ist das natürlich nicht, aber was soll man machen, Sturheit siegt und zwingen kann ich ihn nicht. Der nervliche Stress ist auch nicht notwendig. Wenn sich das Kreuz lahm gelegen hat, werde ich es ihm schon wieder beibiegen. Die Kleidung muss er dann eben morgens wechseln ist nicht so wichtig, einen Schönheitswettbewerb will er ja nicht mehr gewinnen.
Sein Amt als Postholer hat er wieder aufgenommen, aber sehr viel sinniger als zuvor. Insgesamt ist sehr viel Ruhe bei ihm eingekehrt. Er scheint sich seines Alters und den Umständen langsam doch sehr bewusst zu sein. Es ist gut, dass er die kleine Routine nun doch wieder packt. Das „bemuttern“ ist ihm ein bisschen zu viel. Er möchte wieder selber bestimmen was, wann und wie. Das ist auch gut so, dann weis ich doch, dass sein Widerspruchsgeist die Lebensgeister noch ein bisschen anfacht. Das Laufen ist allerdings nun so gut wie bei null. Wir werden es mit einem Laufwagen versuchen und wenn das nicht gehen will, dann eben mit dem Rollstuhl. So kommt er jedenfalls an die frische Luft und man ist insgesamt auch etwas beweglicher. Mal schauen wie weit er da mitspielt. Übers Knie werden wir es aber nicht brechen.

Freitag, September 11, 2009

138 Erkennungswert

Heute Morgen stand der Opa angezogen in seiner Zimmertür als ich gerade aus der Küche kam. Er schien etwas fragen zu wollen, aber sah mich nur an.

„Guten Morgen, Vater!“

„Guten Morgen.“

Nichts rührt sich.

„Warst Du schon im Bad?“

„Warst Du schon im Watt?“

„Im Bad, Vater. I M B A D?”

“Ja ja, ich war schon im …” Das Wort will noch nicht.

Rein vom Aussehen war er nicht, aber wir wollen ja nicht alles auf einmal lösen. So beschränke ich meine Tätigkeit darauf ihm beim korrekten Anziehen zu helfen.

Dann beschließe ich ihn mit einem Frühstück zu locken. Also nehme ich ihn vorsichtig am Ellenbogen; die Arme sind von der Blutabnahme noch voller Hämatome; und frage:

„Wollen wir dann frühstücken?“

Verständnislos schaut er mich an.

„Wollen wir etwas essen?“

„Ist denn jetzt Essenzeit?“

„Ja, es ist 7:00 Uhr und Dein Frühstück steht bereit.“ Opa will auf seine Uhr schauen, aber sie ist nicht da.

„Dann werde ich eben essen.“

Damit bringe ich ihn zum Esstisch und rücke ihm den Stuhl zurecht. Großes Tuch über und dann Kaffee eingeschenkt. Dabei kommt Leben in den Opa. Der Geruch vom Kaffee scheint etwas auszulösen.

„Kann ich dazu auch Zucker haben?“

„Klar kannst Du, wie viel möchtest Du denn?“

„Wie viel? Ich glaube ich hatte zuhause immer drei Stücke.“

„Nimm man erst einmal zwei Stücke, dann probierst Du und wenn es nicht süß genug ist, dann nimmst Du einfach noch eines dazu.“

„Das ist gut, so machen wir das.“

Jetzt nimmt er sich Kaffee-Milch, lässt Zucker in den Becher fallen und rührt und rührt und rührt…

Scheinbar überlegt er dabei. Dann tastet er nach dem ersten Brotstück und beginnt sein Essen. Nach zehn Minuten schaut die Aktion aus wie immer. Nach zwanzig Minuten ist das erledigt. Er möchte nichts mehr.

„Und jetzt?“

„Jetzt gehen wir die Zähne säubern und dann kannst Du Radio hören wenn Du möchtest.“

„Radio hören. Das ist gut, zuhause hatte ich immer eines stehen, da habe ich die Dingens immer gehört, die ….“

„Nachrichten?“

„Ja und auch immer wie das da draußen werden soll.“

„Den Wetterbericht?“

„Ja, den meine ich.“

„Sollen wir dann jetzt ins Bad gehen?“

„Im Bad ist das Radio?“

„Nein Vater, das ist in Deinem Zimmer.“

„Dann will ich jetzt da hingehen.“

„Ist gut.“

Also ohne Umweg direkt ins Zimmer vor das Radio. Nach einer halben Stunde muss er seine Medizin einnehmen und dann schon wieder etwas trinken. Da wächst dann schon der Widerstand.

„Es nützt nichts, das musst Du austrinken. Die Nieren und auch Dein Gehirn brauchen Flüssigkeit.“

Also wird ein bisschen getrunken, sich anschließend geschüttelt und beklagt, dass es kühles Wasser ist.

„Viel zu kalt.“

„Das wird schon warm im Bauch.“ Opa lächelt, den Minischerz hat er verstanden. Und dann wird das Glas mit einem Zug geleert. Braver Opa.

Am Abend frage ich meinen Mann nach Opas Uhr. Da mein Mann sie aber aus dem Krankenhaus nicht mitgebracht hat, sie auch nicht in der Taschen mit dem Aufdruck "Achtung, Patienteneigentum "war, wird sie wohl entwendet worden sein. Das wiederum finde ich eine echte Sauerei. Rückfragen haben auch kein Ergebnis gebracht. Man könne eben nicht für Wertgegenstände haften. Mein Mann hätte sie gleich an sich nehmen müssen. Wie simpel die Welt doch funktioniert.

Donnerstag, September 10, 2009

137 Rückschläge

Nachdem der Opa am Sonntag einen Umfaller produzierte, welcher sich nicht einordnen lässt; es besteht keine medizinische Ursache; aber zum Glück nur eine kleine Kopfplatzwunde verursacht hat, müssen wir mit Rückschlägen leben. Die Knochen sind wie durch ein Wunder alle heil geblieben. Nach ärztlicher Aussage muss ich jederzeit mit solchen Ausfällen rechnen, in dem Alter kann es sich um Sekundenohnmachten handeln, welche durch Miniversorgungslücken ausgelöst werden können. Sein allgemeiner Zustand ist für sein Alter fast exzellent, die Laborwerte sind fast normal, etwas mehr Flüssigkeit muss er dennoch zu sich nehmen. Zurzeit kommt er auf gut 1250 ml reines Trinken, aber leider ist auch das immer noch zu wenig. Die Nieren und das Gehirn brauchen mindestens 2000 ml täglich. Es ist nicht dran zu denken; wenn er so viel trinkt, klappt das mit dem Essen nicht mehr, das war wohl auch einer der Gründe, weshalb er es verweigert hatte. Er konnte es mir nur nicht erklären, wie so oft fehlten die Worte. Daraus resultierte dann offenbar eine Unterzuckerung, welche zu den Schwindelanfällen geführt hat. Es besteht auch die Möglichkeit, dass dieses ursächlich mit dafür verantwortlich zu machen ist, dass er umgefallen ist. Er selber kann sich nicht erinnern, ob er nur über seine eigenen Füße gestolpert ist oder eben schwindelig wurde. Es ist ein grausames Geräusch, wenn ein Kopf aufschlägt. Das Schlimme ist, selbst wenn ich daneben gestanden hätte, ich hätte nicht so schnell zugreifen können. Der Schock sitzt tief beim Opa und er findet sich überhaupt nicht mehr zurecht. Er weis nicht wo er ist, er weis nicht wer wir sind, er weis nicht was passiert ist. Alle Erklärungen fruchten nichts. Die Aktion hat uns um Monate zurückgeschmissen. So wie der Arzt sich ausdrückte, wird er seinen Zustand auch nicht mehr extrem verändern, jedenfalls nicht zum Positiven. Opa sei schon auf der Station nicht händelbar gewesen und überhaupt, dem Arzt viel nur Sozialdienst und Altenheim ein. Jede andere Möglichkeit hat er eigentlich ausgeklammert. Dieser Schnösel, gerade mitte 30 und versucht mir einzureden, wie das Leben läuft. Am liebsten hätte ich ihm die Eierschalen hinter den Ohren vorgekratzt. Der hat mich echt wütend gemacht. Wenn ein alter Mensch, dazu schon ziemlich dement, mit einem Schock und einer Verletzung eingeliefert wird, durch diverse Hände gereicht wird, alles Personen, welche er nicht kennt, dann kann so ein Mensch nicht händelbar sein. Wenn er in seiner Verwirrtheit nicht weis wo er ist, die Örtlichkeiten nicht kennt, niemand bereit ist sich wirklich mit ihm auseinander zu setzen, also nur Zeitmangel herrscht, dann geht es eben nicht wie in einer geölten Maschine. Am liebsten hätte ich ihn, den Arzt, einen technokratischen Kotzbrocken genannt. Aber wir wollen ja nicht ungerecht sein, der Mann hat bestimmt schon seine 36 Stundenschicht hinter sich gehabt und da sollte man eben auch ein Einsehen für die überforderten Mediziner haben. Schuld ist diese bescheuerte Gesellschaft, die für alles Geld hat, nur nicht für solche Dinge wie menschliche Zuwendung und Zeit. Die Schwestern und Pfleger leisten Schwerstarbeit, gerade auf der Geriatrie. Das Hauptziel ist den funktionellen Status einer älteren Person zu optimieren sowie Lebensqualität und Autonomie zu verbessern. Leider ist in diesem Bereich nur Ansatzweise das zu finden, was schon gegen Anfang des vorigen Jahrhunderts in Worte gefasst wurde. Klar es hat sich viel getan in diesen Jahrzehnten, aber durch akuten Geldmangel und dadurch auch Personalmangel, werden gute Ansätze im Keim erstickt. Dieses Gesundheitssystem ist in manchen Abteilungen echt zum Kotzen. Entschuldigung; das musste jetzt mal raus. Also Dr. P. ich nehme meine bissige Kritik, an ihnen persönlich, etwas zurück, sie sei, dem System angehängt.

Zurzeit muss ich den Opa wie ein Kleinkind betreuen, gut 20 Stunden am Tag. Nur wenig geht selbstständig oder wird als notwendig erachtet. Gegen alles wird sich gewehrt und alles muss bis ins Detail erklärt werden, selbst das Ausziehen der Schuhe vor dem zu Bett gehen, bzw. das zu Bett gehen als solches. Die Einsichtsfähigkeit hat extrem gelitten. Dafür werden im Augenblick Tür- und Briefkastenschloss geschont. Der Postbote wird nicht mehr überfallartig um die Post erleichtert und überhaupt, zurzeit herrscht fast tödliche Stille im Haus. Jedes Öffnen der Tür wird mit einem großen Fragezeichen begleitet. Was wird jetzt kommen oder ist schon nichts mehr zu tun? Schlurf also wieder durch die Gänge, knall mit den Türen und lass Dich vom Turboantrieb leiten, aber sorge für Leben in der Bude, damit mein verhaltener Schritt vor Deiner Tür in Dynamik übergehen kann.

„Nicht das, was ich erreicht habe, interessiert mich, sondern das, was noch vor mir liegt.”
( Karl Lagerfeld (*1938), dt. Modeschöpfer, der am 10.09.1938, also heute genau vor 71 Jahren geboren wurde.)

Dienstag, September 01, 2009

136 Depression

Opa geht es heute nicht gut. Sein Frühstück hat er zu sich genommen und ist dann auch wieder ein Stück Spazieren gegangen. Gegen 9:00 Uhr kommt er raus in den Garten und erzählt mir ganz schlüssig, wo er am Morgen gewesen ist, was er alles gesehen hat und wen er getroffen hat. Dann erkundigt er sich, ob ich die Fenster denn nun schließen könnte, es mit dem Lüften genug sei? Klar können wir die Fenster jetzt schließen, denn heute wird es offenbar sehr warm. Zu warm von draußen mag Opa nicht, dann lieber die Heizung. Des Menschen Wille…

Zum Mittag muss ich den Opa wecken, er schläft im Sessel. Wir hatten gestern einen Reiseintopf und soetwas koche ich stets für zwei Tage. Es gab also noch einmal das gleiche Gericht. Durch das Erwärmen ist der Reis noch mehr aufgequollen und somit schon fast ein bisschen zu breiig. Dem Geschmack tut dieses keinen Abbruch. Dennoch scheint Opa sich darüber zu ärgern, dass er das nochmals essen soll, genau wie wir alle eben.

Nach etwa zwanzig Löffeln schiebt Opa die Schüssel beiseite und erklärt:

„Das kann ich nicht essen, dass ist viel zu hart.“

Alles schaut sich an und keiner weis was hart daran sein soll.

„Dann musst Du es stehenlassen. Ich finde es fast schon zu weich.“

„Nein, es ist hart und das kann ich nicht essen.“

„Dann musst Du eben mal kauen Vater. Es ist sowieso besser für Deinen Magen, wenn alles gut gekaut ist.“

Das ist ein ganz wunder Punkt beim Opa. Solange wie ich ihn kenne, hat er alles vermieden, was wirklich gut gekaut werden muss. Kein Obst, keinen Salat, keine sonstige Rohkost. Kein Schwarzbrot usw. Selbst gekochtes Gemüse wurde nach Möglichkeit unter einem Vorwand auf dem Teller gelassen oder gar nicht erst aufgefüllt. Mir ist bis heute ein Rätsel, wie der Mann seinen Vitaminhaushalt jemals gedeckt bekommen hat.

Jedoch Opa bockt. Das Essen trägt er in die Küche und damit hat es sich erledigt. Noch haben wir alle ein Schulterzucken drauf. Zum Kaffee wird er dann eben etwas mehr sich nehmen. Doch weit gefehlt. Das Kuchenstück wurde zu einem Drittel gegessen und dann beiseite geschoben. Es sei viel zu groß und das könne er eben nicht aufessen.

„Vater, was ist los? Sonst ist das Essen auch nicht anders und Du wartest förmlich auf die Mahlzeiten. Also was ist wirklich?“

„Das hat doch alles keinen Zweck.“

„Was hat keinen Zweck?“

„Ich sitze den ganzen Tag rum, esse, gehe zur Toilette und schaffe es meist nicht rechtzeitig. Ich kann nichts mehr essen, das braucht mein Körper alles nicht.“

„Vater, es ist für Menschen Deines Alters und auch schon für viel Jüngere, durchaus normal, das ein Schließmuskelschwäche vorliegen kann. Das ist aber kein Grund so zu zweifeln. Dafür gibt es doch Vorlagen, Windelhosen und, und, und. Das ist doch kein wirkliches Problem.“

„Für Sie nicht, aber ich, ich kann gar nichts mehr. Ich muss ständig da hin rennen und dann diese ganze Sauerei. Das geht oben rein und unten einfach wieder raus.“

„Vater, das muss doch wieder raus und das Du es nicht immer halten kannst ist altersbedingt.“

„Das ist doch kein Leben. Ich kann nichts machen, weil ich nichts sehen kann. Ich gehe ein paar Schritte da draußen und dann muss ich umkehren weil…“

Die ganze Palette der Probleme kam auf einmal hoch. Er fühlt sich überflüssig, nutzlos und völlig hilflos. Das Leben mache einfach keinen Spaß.

„Was möchtest Du denn gerne mal machen? Vielleicht schaffen wir es ja doch etwas für Dich auf die Beine zu stellen.“

„Nee, lassen Sie mich man hier einfach mal liegen, mir ist nämlich gar nicht so gut. Zum Abend werde ich nichts mehr essen, dass kommt doch gleich wieder raus, dass ist glatte Verschwendung.“

„Du musst ja auch nichts Essen, soll ich Dir mal einen Magentee kochen?“

„Nein, nein ich will einfach nur ein bisschen schlafen jetzt.“

„Ok. Dann schaue ich später noch mal rein.“

„Hoffentlich hab ich bis dahin aufgehört zu atmen.“

„Vater, so darfst Du aber nicht reden. Es war doch heute ein so schöner Tag. Du bist draußen gewesen, hast Dich an den Dingen erfreut, welche Du gesehen hast. „

„Jajaja, aber ich mag nicht mehr, wissen Sie eigentlich wie alt ich bin? Ich will es gleich nochmals ausrechnen, aber es fehlt nicht mehr viel an der 100. Ich kann nichts machen, nur immer sitzen und warten und warten. Und worauf? Jaaaaaaaaaa, da schauen SIE. Genau darauf muss ich warten. Auf ihn, den Heini. Ich will nicht mehr warten. Und jetzt lassen sie mich schlafen. Morgen sieht das bestimmt schon wieder anders aus.“

Damit legt Opa sich wieder auf sein Sofa und dreht mir den Rücken zu. Nachdenklich verlasse ich das Zimmer. Am Abend berichte ich meinem Mann. Dieser erzählt mir, dass sein Vater es nicht zum ersten Mal erwähnt hat, er scheint wirklich zu warten. Einzig der Herzschrittmacher macht ihm offenbar einen Strich durch die Rechnung. Mein Mann ist traurig, aber andererseits kann er ihn auch gut verstehen. Kaum laufen, so gut wie nicht mehr sehen, so gut wie nicht mehr hören, nicht richtig essen und das Gedächtnis streikt immer mehr und täglich kommen neue Beschwerden hinzu. Armer alter Mann.

Montag, August 31, 2009

135 Gedächtnis müsste man haben

Während Opa sich zum Frühstück setzt, bin ich in der Küche und hole mir eine neue Kaffeetasse. Als ich meinen Kaffee habe und meinen Strickstrumpf zur Hand nehme, fällt mir auf, dass Opa die Zähne nicht im Mund hat. Da er kräftig zu kauen scheint, lasse ich ihn zunächst. Als aber der erste Stöhner ertönt, da spreche ich ihn an.

„Wo hast Du denn Deine Zähne gelassen?“

„Was denn?“

„Deine Zähne?“ Dabei zeige ich auf meine um deutlicher zu machen, was ich von ihm will.

„Ich hab alles, ich brauch nichts mehr.“ Dabei verschwindet der nächste Bissen, welcher ein vorgeschnittenes Stückchen ist, im Mund.

Ich lasse ihn gewähren und denke mir meinen Teil. Und richtig, als Opa endlich nach einer dreiviertel Stunde mit seinen zwei Schnittchen fertig ist, ist auch Opa fertig. Er räumt sein Geschirr in die Küche und geht dann ins Bad. Dort bleibt er nicht lange, den nun hat er entdeckt, dass er die Zähne vergessen hat. Zurück im Esszimmer beschwert er sich.

„Es ist ja kein Wunder, wenn es so anstrengend ist. Wo sind denn meine Zähne?“

„Wo hast Du sie denn gelassen; ich habe Deine Zähne nicht genommen, ich habe eigene.“

„Ich weis nicht. Wann hab ich die denn zuletzt benutzt?“

„Ich denke gestern Abend. Sind sie im Bad?“

„Nee, da war ich ja eben und wollte sie rausnehmen. Die sind da nicht drin.“ Dabei fährt der Zeigefinger nochmals durch den Mund. Als ob die nun von alleine hineingekommen wären.

„Die sind nicht da!“

„Ach?! Wo hast Du sie denn hingelegt; in die Zahndose? Komm wir sehen mal nach.“

Opa kommt gemessenen Schrittes hinter mir her. Ich pralle gegen eine Wand aus Mief und mache erst einmal die Fenster auf.

„Vater Du kannst nicht das Bett machen ohne vorher zu lüften. Das ist Schweinkram, man bekommt ja keine Luft hier drin.“

Mecker motz motz und Ignoranz von meiner Seite.

„Die bleiben offen. Und hier, hier hast Du Deine Zähne.“

Flugs Haftcreme aufgetragen, einsetzen und die Aufforderung fest zuzubeißen. Na also, geht doch. Opa ist völlig aus dem Häuschen. „Bin ich wirklich schon so alt, dass ich das vergessen kann?“ „Mach man erst mal einen Spaziergang und dann können die Fenster auch wieder zu.“

Opa kleidet sich an. Dummerweise habe ich nicht kontrolliert, ob alles auch ok ist. Opa wackelt also los. Da es geregnet hat, alles feucht ist, soll Opa auf dem Gehweg bleiben. Einmal Kirche und zurück reicht aus. Opa auf und davon und ich mache schnell das Zimmer sauber. Eine halbe Stunde später kommt der Opa zurück. Seine Jacke ist schmutzig, seine Hosen hängen auf halb acht und die Schuhe hat er falsch herum an.

„Was ist Dir den passiert?“

„Alles war gut, bis ich zur Terrasse kam. Da bin ich dann hingefallen.“

„Tut Dir was weh, hast Du Dich verletzt?“

„Nein überhaupt nicht. Einfach nur gefallen. Ich wollte da zwischen der Hecke und dem Stapel Paletten den Weg abkürzen und da bin ich dann mit dem Fuß hängen geblieben.“

Ich zeige Opa das er die Schuhe falsch an hat. Er versteht es nicht.

„Kann ich denn überhaupt nichts mehr?“

„Sei man froh, dass Du Dir bei dem dummen Einfall nicht noch die Knochen gebrochen hast. Abkürzungen sind für alte Männer nichts mehr. Immer den festen Weg. Hast das verstanden?“

Nach dem Umkleiden ist Opa fertig mit Jack und Büx und muss erst einmal eine Runde im Sessel schlafen. Ob er vom Jungbrunnen träumt?

Sonntag, August 30, 2009

Wandlungen


Fast auf den Tag ein Jahr ist es her, dass ich diese Geschichte erlebet:

Bertha
Ich war im Garten, obwohl es alle paar Minuten wie aus Eimern gegossen hat. Wie ich gerade dabei bin und meinen Lavendel runter schneide, da höre ich ein strenges Rufen. „Bertha, komm jetzt hier her.“ Kurz darauf ertönt der gleiche Satz, aber wesendlich herrischer. Im ersten Moment dachte ich, seine Frau wird das doch wohl nicht sein. Nach der dritten und nun schon fast wütenden Aufforderung, glaube ich nicht mehr an die Frau, sondern erwäge anzunehmen, dass es eine der neuen Kühe ist, welche drüben auf der Weide stehen. Solange sind diese Kühe eben noch nicht im Besitz des Bauern, sodass sie sich wohl erst noch aneinander gewöhnen müssen. Beruhigt schneide ich meinen Lavendel weiter und in dem Moment, in dem ich gerade die Schere wieder ansetzen will, saust etwas in meinem Augenwinkel an mir vorbei. Mein Blick geht ins Leere, nichts zu sehen. Also aufrichten und dann erneut schauen, was es denn wohl gewesen sein könnte. Quer durch meine Kräuter turnt ein Etwas, welches mehrfarbig gescheckt ist und irgendwie einem Hund ähneln könnte. Aus den, vom Regen niedergedrückten Kräutern, taucht es wieder auf, es ist ein kleiner Jagdhundmischling. Als der Hund gewahr wird, dass dort jemand ist, sprengt er quer durch das nächste Gebüsch und bleibt plötzlich hängen. Er macht fast eine Rolle rückwärts und stürmt dann davon. Zurück bleibt ein elastisches Halsband aus Leuchtgummi. Ich sammle es ein und mache mich auf den Weg rüber zur Weide, wo das Herrchen schon wieder am pfeifen und brüllen ist. Ich gebe ihm das Halsband des Tieres zurück und muss mir dann anhören, so was hat sie noch nie gemacht. Worauf mir nur einfällt: „Irgendwann, ist eben immer das erste Mal.“ Schon stürmt der Hund an seinem Herrchen vorbei und macht weiter was er will. Ich muss eigentlich nur grinsen und mache mich dann wieder auf den Weg. Herrchen setzt erneut zum Brüllen an. Nach ca. fünf Minuten hat er seine „Bertha“ im Griff.
Mir geht noch den ganzen Vormittag durch den Kopf, wie um alles in der Welt, man einen Hund Bertha nennen kann. Das Rufen hört sich wie ein Fluch an, die Statur des Tieres passte einfach nicht zum Namen und das Herrchen hatte einfach keine Ähnlichkeit mit seinem Tier. Namen sind eben etwas sehr persönliches und müssen nur dem Herrchen oder Frauchen gefallen, der Hund kann sich eh nicht wehren.

Heute ist Bertha eine perfekt ausgebildete Jagdhündin.

Samstag, August 29, 2009

134 Altersdynamik

Der halbjährige Rhythmus für Opas Untersuchung ist wieder dran. gewesen. Somit wurde ein Termin ausgemacht und dann, damit Opa es nicht gleich wieder vergisst, beim Frühstück mitgeteilt, dass er an dem Tag einen Termin hat. Sagen wir ihm vorher bescheit, macht er sich manches Mal solche Sorgen, dass er gar nicht schlafen und essen kann. Um das zu vermeiden, bekommt er also eine Kurzinfo, welche ihm Zeit lässt, sich auf den Besuch vorzubereiten, aber nicht so viel Zeit, um sich Sorgen zu machen. Bis er gewaschen, und neu gekleidet ist, sind die Stunden vergangen und los geht die Fahrt. Da es langfristige Termine sind. Hat mein Mann meistens einen Urlaubstag und verbindet es im Anschluss gleich mit einer netten Ausfahrt. Der nun zuständige Hausarzt ist so um und bei 50 Jahre alt und hat am Opa einen Narren gefressen. Die beiden haben sich auf Anhieb gut verstanden und somit ist alles ein Thema, nur nicht die Untersuchungen und deren Ergebnisse. Die beiden Männer reden über alles Mögliche und mit der notwendigen Geduld; die sich der Doc wirklich nimmt; haben am Schluss des Besuches, beide was sie wollen. Opa etwas andere Unterhaltung und einen begierigen Zuhörer und der Doc eben seine lebendige Geschichte. Die Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg ist dabei sehr häufig das Thema. Opa erzählt dann einfach was ihm noch so auf Stichwort einfällt; der Doc hört zu und stellt einfache Fragen. Nun saß aber an diesem Tage das Wartezimmer sehr voll. Die Sprechstundenhilfen waren schon bannig nervös, denn die anderen Patienten wollten ja auch dran kommen. Obwohl man sagen muss, die Mehrheit der Menschen geht zum Doc wegen der wöchentlichen Abwechslung, weil man ja mal über seine Krankheit schnacken und auch die neuesten Zeitschriften umsonst blättern kann. Bei Opa war aber alles im Grünen Bereich und er konnte sich wieder anziehen. Dauert natürlich, mit fast 96 flutscht das eben nicht mehr so. Dann wurde er ins Wartezimmer geleitet und da der Doc ihn persönlich brachte ging das Gemeuter los. „Ach pappelapapp; wer ist der Nächste?“ Alles rieft durcheinander und dann taucht die Sprechstundenhilfe auf. „Herr X ist dran.“ „Danke Susanne, also Herr X.“ Herr X kommt aber nur schwer, um nicht zu sagen, aufgrund seiner Körperfülle, so gut wie gar nicht aus dem tiefsten Sessel, welchen das Wartezimmer zu bieten hat. „Nun aber mal los Herr X, nehmen sie sich mal ein Beispiel an Herrn J., der ist 96 und noch gut zu Fuß.“
Reine Übertreibung, aber es heizte das Gespräch im Wartezimmer neu an. Eilfertig kamen die Schwester und die Frau des Patienten, Herrn X zur Hilfe. „Mit 84 ist man auch nicht mehr so jung, Herr Doktor, glauben Sie mir das man.“ Opa musste grinsen und legt seine Jacke an. Die Mütze mit Schwung auf den Kopf gestülpt und dann mit dynamischem Schritt Richtung Ausgang. Die Schwestern mussten sich das Lachen verkneifen, denn Opa machte bei seiner Altersdynamik gar keine so gute Figur, aber vor Stolz gewachsen ist er, mindestens um drei Zentimeter, ….wenn nicht noch mehr.

Donnerstag, August 27, 2009

Zitat des Tages

„Morgen ist noch nicht gekommen,
und gestern ist vorbei.
Wir leben heute.”


( Mutter Teresa (1910-1997),
ind. Ordensgründerin alban. Herk.,

1979 Friedensnobelpr.,
am 27.08.1910, also heute genau vor 99 Jahren geboren wurde.)

Mittwoch, August 26, 2009

133 Herabsetzungen

Eine meiner, offenbar bis heute, stillen Mitleserinnen, kann die Beiträge nicht mehr ertragen. Es seien einfach zu viele Herabsetzungen dabei. Das Thema beim verdeckten Namen nennen, am besten totschweigen; zumindest aber alles einfach schlucken und dann, wenn es nicht mehr anders geht, um Entlastung bei bezahlten Diensten nachsuchen. Es ist für die Familie gut und für den Opa sowieso. Ist wirklich ein toller Tipp.

Jetzt kommen meine Überlegungen ins Spiel. Muss ich erst solange schlucken, bis der Eimer ernsthaft überläuft? Muss ich alles einfach hinnehmen, nur weil der Mann 96 Jahre alt ist und sich nicht mehr benehmen will, weil es einfacher ist sich gehen zu lassen? Welche Abhilfe würde eine Fremd- oder Tagesbetreuung für uns bedeuten? Was würde sie für IHN bedeuten? Für uns hieße das, wir müssten ein weiteres Auto anschaffen, damit wir ihn in die nächste Stadt zu so einer Einrichtung fahren und auch wieder abholen könnten. Zusätzlich müsste ich dann arbeiten gehen, um die Kosten für die Einrichtung und das Fahrzeug aufzubringen. Was bedeutet es für ihn; könnte der Mann sich in dem Alter nochmals umstellen? Er hat fast ein Jahr gebraucht um sich hier halbwegs einzuleben. Er kann kaum noch sehen und nur sehr schlecht hören und extrem schlecht laufen. Was würde ihm dort geboten? Gemeinschaftsspiele gehen nicht mehr, Seniorengymnastik erfordert ebenfalls wenigstens etwas sehen und hören. An gemeinsamen Veranstaltungen kann er nicht teilhaben, er ist ja kaum noch in der Lage einem normalen Gesprächskreis zu folgen. Theaterbesuche etc. gehen schon seit Jahren nicht mehr. Ich verstehe das sowieso nicht, was soll ich also dort? So seine Reaktionen auf unseren Vorschlag, mit dem Altenkreis mal mitzufahren. Einzig mit dem Auto durch die Gegend fahren, das ist etwas was er gerne macht, aber nicht weil er eine Ausfahrt macht, sondern weil er seinen Sohn bei sich hat und das für die gesamte Fahrtdauer, auch wenn kein Wort gesprochen werden sollte. Nur sein Sohn muss den Lebensunterhalt verdienen und kann sich deshalb nur am Wochenende mit ihm auseinandersetzen. Sein Arbeitstag beginnt, wenn Opa gerade aufgestanden ist und endet, wenn Opa schon wieder im Bette liegt. Was also, würde es wirklich für ihn bedeuten? Ich könnte mir vorstellen, dass ER SICH ABGESCHOBEN FÜHLT! Mit dem Gedanken, mein Sohn hat keine Zeit und die Schwiegertochter will mich loswerden. Dieses würde an seinem Lebensmut, welchen er mühsam neu aufgebaut hat, sehr arg kratzen.

Für mich wäre das keine Lösung, auch wenn sie sich noch so verlockend anhört.

„Es gibt einen bestimmten Punkt im Leben, an dem muss man aufstehen und sagen: Ja, genau das will und muss ich tun”
(Das heutige Zitat des Tages stammt von Branford Marsalis (*1960), amerikan. Jazzmusiker, der am 26.08.1960, also heute genau vor 49 Jahren geboren wurde.)



Freitag, August 21, 2009

132 Guten Tag...

Nachdem sich das Wetter wieder ganz beruhigt hat, wir eine leichte Abkühlung erfahren haben, der Opa wieder „normal“ scheint, gehen wir den Tag wie üblich an. Gegen 10:00 Uhr mache ich eine kurze Kaffeepause und nadele ein paar Maschen für mein neues Handarbeitsprojekt, als der Opa auf der Bildfläche erscheint.
„Das gelbe da draußen, kann ich das jetzt reinholen?“

„Was gelbes? Was meinst Du denn?“

„Na da draußen, da steht dieses gelbe Dingens und ich wollte wissen, ob das leer ist und ich das jetzt reinholen kann?“

„Nein Vater, dass sind Wertstoffsäcke. Diebleiben da stehen und werden heute abgeholt.“
„Also müssen die das noch leeren?“
„Nein Vater, die Säcke werden so abgeholt wie dort stehen. Darum brauchst Du Dich nicht zu kümmern.“

„Aber ich wollte doch das da reinbringen.“

„Vater da ist nichts reinzubringen, dass wird einfach abgeholt.“

Opa geht und wie zu hören ist, mit Postschlüssel, nach draußen. Kurz darauf erscheint er erneut auf der Terrasse und sagt mir, dass das einfach gelbe Plastiksäcke seien und was die denn dort machen. Ich fass es einfach nicht.

„Vater, die Säcke bleiben dort stehen und werden abgeholt.“

„Aber das sind Säcke, gelbe Plastiksäcke.“

„Ja, Vater! Ich weis das, ich habe sie dort hingestellt und Du brauchst Dich darum nicht zu kümmern.“

„Dann bleiben die da also stehen?“

„JA,VATER, die bleiben da stehen.“

Nun ist es angekommen. Opa wartet nun, dass die Säcke abgeholt werden.
Nachdem der Müllwagen das erledigt hat, verkündet der Opa auch sofort, dass es nun passiert sei. Welch eine Neuigkeit. Boa, wer soll so was aushalten?
„Ist gut Vater.“

Gegen 11:30 Uhr will der Opa nach der Post schauen und zwar aus dem Grunde, weil er Bewegung auf der Auffahrt wahrgenommen hat. Kästchen auf, Schlüssel raus. Kästchen zu. Tür auf, vorsichtig raus und dann den Schlüssel in das Kastenschloss und wie zu erwarten: NICHTS. Dafür hat er eine erfreuliche Begegnung. Ein Mann mittleren Alters, gut einen Kopf größer als der Opa und einen Koffer hat er auch dabei. Der Mann spricht mit dem Opa. Das ist der Grund, weshalb ich aufmerksam werde und mir denke: Mit wem spricht er denn? Ich lege meine Maschenware an die Seite und mache mich auf zum Haupteingang. Was ich allerdings treffe ist nicht der Opa, sondern in der Diele steht besagter Herr mit seinem Koffer. Opa ist draußen.
„Guten Tag!“
„Ja was haben wir denn hier? Guten Tag.“

„Zunächst habe ich mal einen Prospekt für sie, welcher absolut kostenlos ist. Ich bin von der Firma XY.“

Man reicht mir, bzw. versucht mir einen Prospekt zu reichen.
Meine Hand bleibt allerdings in Wartestellung und ich hole hörbar nach Luft. Da der Herr bestimmt vom Opa schlicht durchgeleitet wurde, kann der arme Kerl ja nichts dafür. Also Adrenalin senken und so ruhig wie möglich sagen:
„Es ist mir egal, ob sie von der Firma XY sind. Mein Schwiegervater kann solche Situationen leider nicht mehr so gut beurteilen und deshalb möchte ich sie bitten, dieses Haus umgehend zu verlassen.“

Da sich, so weit das Auge reichen kann, in diesem Hause nur Fliesen befinden, ist es eben von vornherein völlig widersinnig mir einen Staubsauger aufschwatzen zu wollen.
Der Herr antwortet: „Selbstverständlich, entschuldigen Sie bitte und ein schönes Wochenende.“
Jetzt tritt der Opa auf den Plan, nachdem der Herr an ihm vorbei geht und nicht einmal mehr grüßt.

„Was, schon alles erledigt?“

"Vater! Wenn es Dir auch nur noch ein einziges Mal in den Sinn kommt, Fremde in dieses Haus zu lassen, dann platzt mir der Kragen. Dann werde ich die Tür dauerhaft abschließen. Ist das verstanden worden?"

„Der wollte doch zu Dir.“

„Und wer war das?“

„Das weis ich nicht.“

„Ich auch nicht und jetzt ist Schluss. FREMDE haben hier nichts drin zu suchen. Da Du nicht weißt wer fremd ist, hast Du niemanden reinzulassen. NIEMANDEN, verstanden?“

„Aber Du bist doch hier.“

„Ich bin zufällig hier gewesen, weil ich Stimmen gehört habe. Du kannst nicht einfach alle Leute reinlassen. Die haben DA DRAUSSEN zu warten, egal was für ein Scheißwetter wir haben. KLAR?“

Opa schweigt, er versteht die ganze Aufregung nicht.